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Der Künstler und der Hetzer – zwei Schwule ? im Pulverfass Renaissance

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Pan meets Lilith




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Anmeldungsdatum: 24.02.2005
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Der Künstler und der Hetzer – zwei Schwule ? im Pulverfass Renaissance

Wusstet IHR, dass Sandro Boticelli persönlich mit Girolamo Savonarola befreundet war?

Hier
http://www.hr-online.de/website/specials/botticelli/index.jsp?rubrik=51089&key=standard_document_38016064

Ich finde diese Information, in der Offenbarung ihrer psychologischen Brüche, AUßERGEWÖHNLICH interessant.

Boticelli war Auftragnehmer des (dezidiert weltlichen) Medici-Papsttums. Insofern stellt sich DURCHAUS die Frage, inwiefern er EIGENE Vorstellungen von Diesseitsbezogenheit darstellte - ODER diejenige seiner Auftraggeber.

Diese Auftraggeber wiederum passten Boticellis ... Intimus (?) Savonarola GAR nicht.

Bei Savonarola stellt sich die überaus spannende Frage:
Empfand er sich als eine Art später Franz von Assisi, in Bettelmönch-Tradition der Franziskaner also? (Obwohl SELBST dem Dominikaner-Orden angehörend).

Zum Dominikaner-Orden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dominikaner

Zitat:
Dominikus wurde 1170 in der kastilischen Ortschaft Caleruega geboren. Schule und Studium absolvierte er in Palencia[1]. 1196 trat er in das Domkapitel von Osma in Kastilien ein, wurde dort zum Priester geweiht und wurde 1201 Subprior des Kapitels. Auf Reisen im Gefolge seines Bischofs Diego de Acevedo wurde er in Südfrankreich mit den dortigen Erfolgen der Katharer konfrontiert. Der Katharismus fand aufgrund der asketischen Lebensweise und rhetorischen Überzeugungskraft seiner Prediger großen Anklang in der Bevölkerung. Von den örtlichen Feudalherren wurde er toleriert oder auch gefördert, während die theologisch und seelsorgerisch wenig ambitionierte katholische Geistlichkeit hauptsächlich um die Sicherung ihrer Pfründen und weltlichen Privilegien bemüht war. Auch die von Papst Innozenz III. als Legaten beauftragten Zisterzienser, die den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit nicht in der Missionierung, sondern in der politischen Diplomatie und der Herbeiführung repressiver Maßnahmen sahen, hatten sich vor allem den Hass der Bevölkerung zugezogen, aber dem Katharismus keine wirksamen Maßnahmen entgegensetzen können.


Zisterzienser (symbolisch vorgetäuschte statt faktische Selbstbescheidung) wurden also vom päpstlichen Christentum definiert gegen die (politisch unerwünschten, da durch eigene Glaubwürdigkeit das Papsttum infrage stellenden) Katharer (Albigenser) eingesetzt. Diese nannten eine ihrer Rückzugsburgen bedeutungsträchtig Minerve. Das Äußere des Kirchleins in Minerve wirkt auf seltsam-deutliche Weise „keltisch“, nicht christlich (vergleiche dazu den mächtigen französischen Gotik-Bau der Kirche innerhalb der nahen Festungsstadt Carcasonne).

Benediktiner wurden offenbar EBENSO eingesetzt wie Zisterzienser.
(„Bete – und lass andere für dich arbeiten …“).


Savonarola war ein bilderstürmerischer Fanatiker, direkt vergleichbar mit den heutigen christlichen Kreationisten oder auch den wahabitischen Fundamental-Muslims. Und es gelang ihm eine ganze Weile, den "demokratischen" MOB gegen die "humanistische" MACHT zu führen.
Dabei kam ihm ein (für ihn glücklicher) Zufall zu Hilfe: Er sagte das Todesdatum von Papst Innocenz VIII. (das war DER, der die für die deutschen Fürstentümer verheerend sich auswirkende "Hexenbulle" erließ -> siehe Heinrich Kramer („Institoris“) -> Hexenhammer) richtig voraus.
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Heinrich_Institoris.html
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Hexe.html


Das muss eine sehr FRAGWÜRDIGE "Freundschaft" gewesen sein, die Boticelli und Savonarola verband? Oder?
Immerhin beeinflusste Savonarola seinen ... F_ickfreund (?) Boticelli SO WEIT, dass Boticelli seine EIGENEN Bilder der religiösen Verbrennung preisgab ...

Offenbar wollte Savonarola Boticelli aktiv dazu bewegen, von den Medici-Auftraggebern auch SYMBOLISCH Abstand zu nehmen ...

Vergleichbarkeiten zu heute?
Geradezu schreiend!

Der Anteil homosexueller Männer ist bei den Künstlern überproportional hoch.
Aber auch bei den Priestern ("gottgewidmetes Leben" als soziale Kompensations-Ausrede).

Die immer wieder repetierte "falsche Schulterpartie" weiblicher Akte ist geradezu ein unfreiwilliges Markenzeichen vieler Künstler der Spätgotik und Frührenaissance geworden. (Meiner Erinnerung nach ist sie auch bei Albrecht Dürer zu finden). Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass

a) Boticelli die erste Grundlage für die "falsche Schulter" lieferte (Man müsste mal Bildanalyse vorangegangener kultureller Weiber-Akte machen).

b) diese "falsche Schulter" auf mangelnder Kenntnis homosexueller Künstler der weiblichen Anatomie beruhte. (Sei es zunächst dahingestellt, ob dies an der religiösen Verknappung weiblicher Nacktheit mit Beginn der Renaissance lag -> Reaktion der verdeckt homosexuell orientierten christlichen Kirche auf den gegnerischen Humanismus-Gedanken - ... ODER aber schlicht an mangelndem Interesse von Homosexuellen an der Authentizität in der Darstellung weiblicher Anatomie).

FRAGE: WORIN GENAU besteht die „falsche Schulter“?:
Immerhin:
Boticellis „geborene Venus“ verwendet ihr linkes Bein als das Standbein, ihr rechtes Bein als Spielbein. Insofern ist erst einmal der rechte Hüftknochen falsch dargestellt, da er leicht angehoben sein müsste, es aber nicht IST. Die rechte SCHULTER hingegen ist korrekt dargestellt, denn sie ist – im Verhältnis zur linken, gehoben.
Nee, „unschlüssig“ ist in derlei Gemälden der Renaissance die Haltung BEIDER weiblicher Schultern. Sie sind – im Gegensatz zu denjenigen der Akt-Männer – FALLEND. Sofern sie nicht nur nach unten, sondern auch nach vorn fallen (bei Dürer sieht man das schön), deutet das auf eine „Haltungsschwäche“ der Frauen hin. (Aussageninterpretation vermeide ich an dieser Stelle …)

Zu Dürer wäre immerhin zu vermerken, dass es in seinen jüngeren Nürnberger Tagen wohl noch gemischtgeschlechtliche Badehäuser gegeben hat. Diese waren zwar - egal, ob gemischt oder nicht - der "Kirche" ein Dorn im Auge. Aber erst die Ausbreitung der mutmaßlich aus der "Neuen Welt" importierten Syphilis, kombiniert mit der Einführung des mobilen Söldnerheers durch Maximilian I., lieferte das entscheidende Bekämpfungs-"Argument".
Falls Dürer also kein Frauenfeind war (-> siehe Korrespondenz mit seinem Freund Pirckheimer), dann war er schwul und malte Frauen nachlässiger als Männer, eben aus mangelndem Interesse an ihnen.



Boticelli:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sandro_Botticelli

Savonarola:
http://de.wikipedia.org/wiki/Girolamo_Savonarola


Was macht die examplarische Befassung mit diesen beiden Männern, eingebettet in die Machtverhältnisse ihrer Zeit, so überaus spannend wie ein Giebel der deutschen Weser-Renaissance, in dem sich himmelssymbolischer gotischer Stufengiebel mit irdischer Barockvolute vereinigen?:

der Widerspruch als Grundprinzip unseres Daseins?

Die Gegensatz-Problematik, die sich in den beiden historischen Persönlichkeiten Boticelli und Savonarola offenbart, wird sich nach deren Tod fortsetzen, transferiert von Italien nach „Deutschland“:

Zur Finanzierung des 1506 im Renaissance-Stil grundsteingelegten Petersdoms:
http://de.wikipedia.org/wiki/Petersdom

Beitrag 26 November 2009 14:48 
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