Schweiz für Minarett-Verbot

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neptun2005

Schweiz für Minarett-Verbot

Beitrag von neptun2005 » 29 November 2009 19:23

In der Schweiz dürfen in Zukunft keine
Minarette mehr gebaut werden.

Mit der Mehrheit von 57,6 Prozent nah-
men die Schweizer bei einer Volksab-
stimmung überraschend einen entspre-
chenden Antrag an. Die antiislamische
Initiative "Gegen den Bau von Minaret-
ten" erhielt auch die erforderliche
Mehrheit der Kantone.

Hinter der Anti-Minarett-Initiative
stehen die Schweizerische Volkspartei
und die Eidgenössisch-Demokratische
Union, die ein Verbot in der Schweizer
Verfassung verankern wollen.


Quelle: ARD-Text



Was denkt ihr?

Ist ein Verbot "unterstützungswert" oder eine Beschneidung der Religionsfreiheit?

Islamische Gemeinschaften machen in der Schweiz ca. 4% der Gesamtbevölkerung aus.

Ist der Verbot ein Indikator für die Intoleranz der Schweizer?


Viele Grüße
neptun2005

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Pan meets Lilith
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Beitrag von Pan meets Lilith » 29 November 2009 19:42

@neptun:
Ist ein Verbot "unterstützungswert"

Hm. Um die Frage beantworten zu können, müsste man m.E. die BEGRÜNDUNG des Verbots kennen.
Dass Minarette häufig "kitschiger" als "historisch-organisch gewachsene" Kirchtürme sind, wäre m.E. KEINE akzeptable Begründung.

Okay: Wir gehen jedenfalls davon aus, dass es nicht um das Bauwerk geht, sondern um dessen Symbolaussage?

oder eine Beschneidung der Religionsfreiheit?

M.E. eher ein Stück GEWÄHRLEISTUNG der Religionsfreiheit, i.S.v. "Freiheit von Religion" (ohne Wertung in der Aussage!)

Islamische Gemeinschaften machen in der Schweiz ca. 4% der Gesamtbevölkerung aus.

Zum Vergleich: In Deutschland dürfte der muslimische Bevölkerungsanteil etwa 7,5 Prozent betragen.
Auch ein Vergleich zu den als traditionell liberal geltenden Niederlanden, ggfs. auch zu Dänemark, wäre interessant.



Ist das Verbot ein Indikator für die Intoleranz der Schweizer?

Zum Beleg für deren Intoleranz braucht man keine Minarette. Wie "tolerant" (weltläufig) vermögen Leute zu sein, die glauben, dass man Geld fressen kann und deren Urgroßväter noch als Einsiedel Magergrashalme mit der Handsense von Alpenhängen schnitten? Wo ist der prinzipielle Unterschied zu Leuten, deren Großväter ihre Ziegenherden von Kangals in Ostanatolien zusammenhalten ließen?

Vielleicht provokante Gegenfrage:
Ist Toleranz (dt., [Er-?]-Duldung) zwangsläufig SINNVOLL?

Angenommen, die Schweiz verstünde sich als eine Demokratie: Dürfte eine Demokratie dulden, dass sich eine Religion mit Einfluss-Anspruch "bis in die Betten der Einzelnen" innerhalb ihres Geltungsbereiches offen formuliert?
Zuletzt geändert von Pan meets Lilith am 29 November 2009 19:54, insgesamt 2-mal geändert.

neptun2005

Beitrag von neptun2005 » 29 November 2009 19:44

<u>Nachtrag:</u>

In Appenzell-Innerrhoden votierten sogar über 70 Prozent der Wähler für ein Bauverbot für zukünftige Minarette.

Bekanntlich geriet Appenzell-Innerrhoden in April 2009 in die Schlagzeilen, als dort unterstützt von einer Bürgersammlung das Nacktwandern zum Offizialdelikt erklärt und mit einer Geldstrafe von 200 Franken (~ 130 €) belegt wurde.

Es wäre interessant zu wissen, wie der Minarettverbot mit dem Nacktwanderverbot korreliert.


Viele Grüße
neptun2005

Eule
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Beitrag von Eule » 30 November 2009 03:56

neptun2005 fragt:
Ist ein Verbot "unterstützungswert" oder eine Beschneidung der Religionsfreiheit?

Als überzeugter Christ empfinde ich das Ergebnis dieser Initiative als eine Schande. Die schweizer Regierung und Kirchen haben dieses angelehnt und die Bevölkerung aufgefodert, mit "nein" abzustimmen.

Es ging den Initiatoren auch nicht um eine religiöse Frage. Es war eine ihrer vielen Versuche, die Schweiz vor einer "Verfremdung" zu schützen. Da alle ihre Initiativen in der Vergangenheit scheiterten, haben sie dieses Mal ein scheinbar religiöses Thema als Vorlage genutzt.

Es spielt keine Rolle, dass nur 4% der schweizer Bevölkerung Muslime sind, ebenso war es unbedeutent, dass es in der ganzen Schweiz nur 4 Minarette gibt, es ging hier nur um eine fremdenfeindliche Abstimmung.

Noch ist das Minarettverbot nicht durch. Das Parlament kann sich gegen dieses Verbot entscheiden. Dann müssen die Initiatoren noch einnmal eine Volksbegehren für sich durchbringen. Also, da liegt noch viel Streit in der bergigen Luft.

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Stephan_69
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Beitrag von Stephan_69 » 30 November 2009 08:17

Dieses Ergebnis ist Wasser auf die Mühlen derer, die hierzulande Volksabstimmungen auf Bundesebene ablehnen.

Wenn so ein Plakat:
Bild

die Menschen dazu bringt, fundamentale Freiheiten abzuschaffen, werde ich auch skeptisch.

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hhnude
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Wort zum Montag

Beitrag von hhnude » 30 November 2009 08:45

Stephan_69 hat geschrieben:Dieses Ergebnis ist Wasser auf die Mühlen derer, die hierzulande Volksabstimmungen auf Bundesebene ablehnen.

Wenn so ein Plakat:
...
die Menschen dazu bringt, fundamentale Freiheiten abzuschaffen, werde ich auch skeptisch.


Eher aber zeigt es, dass es seltenst um Meinungen geht, sondern um Interessen (wie Norbert zurecht aufzeigte), die man offenbar mit jeder x-beliebigen Polemik problemlos ins Ziel bringen kann. Hier hätten die Schweizer Kirchen durchaus bessere Medienarbeit leisten können, meine ich. Eventuell unterschätzen wir alle nämlich einfach nur die neuen alten dubiosen Kräfte. Kaum wer hierzulande weiß, dass durch die Wahl der NPD ins Länderparlament diese eben auch in der Landes- und auch Bundeszentrale für politische Texte Einfluss proportional erhalten, und auch Schulbücher schreiben dürfen, mit dem Siegel der BpB. Zur fundamentalen Freiheit gehört eben leider auch dies. Genau das nutzen solche Kräfte eben gut aus. Eventuell muss man eher viel mehr mobilisieren und eben nicht erst kurz vor 12.

Und damit ein klares Nein. Es ist eben kein Beweis für die Schweizerische Intoleranz, sondern nur ein Zeichen, dass wir alle auf diese Polemiken eben nicht wirklich reagieren können. Was nützt es, da einfach nur skeptisch zu werden?

Medien erlauben es, dass man mit extremen Positionen nun mal schneller ins Rampenlicht kommt, und dies auch häufiger als andere seriösere Gestalten.

hhnude

Ralf-abc

Beitrag von Ralf-abc » 30 November 2009 08:54

Stephan_69 hat geschrieben:Wenn so ein Plakat:
die Menschen dazu bringt, fundamentale Freiheiten abzuschaffen, werde ich auch skeptisch.



Anderseits..

- nur mal so als Gedanke, ohne dass ich davon selber jetzt überzeugt wäre, weil da zu viele andere Probleme mit verbunden sind -

Ist es sinnvoll für bestimmte Rechte (in diesem Falle Religionsfreiheit) einer Volkgruppe einzutreten, wenn eben diese Volksgruppe genau diese Rechte abschaffen würde, wenn Sie denn die Macht dazu hätte?
Mache wir uns da nichts vor: der Islam wird hier auch aus dem Ausland finanziell unterstützt - von Menschen die mit Religionsfreiheit in ihrem eigenen Land nicht wirklich "was am Hut haben"

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hhnude
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Beitrag von hhnude » 30 November 2009 09:09

Ralf-abc hat geschrieben:Anderseits..

- nur mal so als Gedanke, ohne dass ich davon selber jetzt überzeugt wäre, weil da zu viele andere Probleme mit verbunden sind


Das sind doch zwei verschiedene Themen. Der Rechten geht es nicht um Islam oder was auch immer, sondern darum, in der gesellschaftlichen Mitte ordentlich zu punkten. Notfalls mit jedem Scheiß.

Es wurmt mich aber vielmehr, dass der Fremdenhass sich nicht mehr allein auf Ausländer (Gastarbeiter, "Migranten") stützt, im Sinne einer völkischen Rassentheorie, sondern sich eher auf eine Art Kulturkampf einlassen will, und dabei sogar auf breite Unterstützung hoffen kann. An dieser Dialektik sind aber auch die Medien schuld, die das Scharfmachen dem Differenzieren vorziehen. Säen tun nämlich ganz andere, die Auflagen und Sendequoten als Maßstab aller Dinge sehen.

hhnude

Ralf-abc

Beitrag von Ralf-abc » 30 November 2009 09:32

hhnude hat geschrieben:Das sind doch zwei verschiedene Themen.



OK, das ist richtig. Der rechte Hintergrund war mir jetzt so nicht bewußt. Schweizer Innenpolitik gehört nicht so wirklich zu meinem Interessengebiet (so gründlich habe ich die Zeitung um diese Uhrzeit noch nicht gelesen) und Dein diesbezgl. Beitrag hatte sich mit dem Schreiben meines Beitrages zeitl. überschnitten, so dass ich den erst nachher gelesen habe.


Es greift aber meiner Meinung nach etwas zu kurz die Verantwortung für solche Dinge nur bei den Rechten zu suchen. Zumindest hier in Deutschland hat die gescheiterte Multi-Kulti-Politik der Regierungen in den letzten 20 Jahren einen nicht unerheblichen Anteil. Wenn die Ihre Arbeit vernünftig machen würden, hätten es die Rechten auch nicht so leicht.

Momme

@

Beitrag von Momme » 30 November 2009 11:27

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Ich mag es nicht, ich mag auch keine Kirchenklocken. Ich fühle mich belästigt und genötigt!!! Wer denkt an alle die Leute, die mit Kirche und Glaube nichts am Hut haben?

Übrigens sind die Minaretten hauptsächlich für den Gebetsrufer gedacht.
Was ist an der Volksabstimmung undemokratisch? Deswegen wird doch keine Relegion verboten.

Wie weit geht denn unsere Toleranz?

Für sowas (Link unten) wollte Mohamed Ströble sogar ein gesetzlichen Feiertag bei uns einfüren.

Und wer die Nerven hat, schaut mal die Bilder ALLE durch!

http://fotogaleri.hurriyet.com.tr/Galer ... &p=1&rid=2

PundV
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Beitrag von PundV » 30 November 2009 13:12

Man müsste das Ergebnis aus anderen Ländern wissen, wenn dort über
dieselbe Fraga abgestimmt wird bzw. werden könnte. Das Parlament und
die Regierung waren dagegen, wie auch in anderen Ländern. Die Frage
ist, ist die Meinung des Volkes erheblich anders? (Dies ist letztendlich die
Begründung für Volksabstimmungen; wenn das Parlament immer ein
richtiges Abbild---in jeder Frage---wäre, dann würde man Volksabstimmungen
nicht brauchen.

Nederlande tolerant gegenüber Islam? Seit dem Mord an Van Gogh wird
vieles anders gesehen, auch, dass eine "falsche Toleranz" nicht die beste
Wahl war.

neptun2005

Beitrag von neptun2005 » 30 November 2009 13:57

Stephan_69 hat geschrieben:Dieses Ergebnis ist Wasser auf die Mühlen derer, die hierzulande Volksabstimmungen auf Bundesebene ablehnen.


Ich bin auch gegen das plezibitäre Element (= Volksabstimmung) auf Bundesebene. Die BRD hat seit ihrer Gründung in 1949 (ohne Volksabstimmung) hervorragende Arbeit geleistet, die föderale Verfassungsordnung hat die Demokratie gestärkt, aus den Fehlern der Weimarer Republik wurde gelernt. Gäbe es in Deutschland die Volksabstimmung, dann hätten wir vllt. die Wiedervereinigung mit der DDR und/oder die EURO-Einführung nicht gehabt. Hinsichtlich des Euros wurden von den Euro-Gegnern Horrorszenarien vorausgesagt. Keine dieser Punkte ist eingetreten, der Euro ist stark (insb. gegen den Greenback), es gab/gibt keine Inflation/Deflation. Die Preise in den EURO-Ländern wurden transparenter. Das Volk lässt sich sehr oft von der Emotio leiten und schaltet die Ratio ab, wie jetzt auch die Minarett Entscheidung der Schweizer zeigt. In der Schweiz gäbe es lediglich vier (!) Minarette und Bauanträge auf zwei weitere. Hat die Schweiz wirklich diesbzgl. ein Sondergesetz benötigt ? Ich denke nicht, eine "Modifikation" im Baurecht hätte ausgereicht, um die Bauform (z.B. Höhe) zu regulieren.

Viele Grüße
neptun2005

Momme

@neptun2005

Beitrag von Momme » 30 November 2009 15:25

Damals als in Deutschland noch DM gab, War der Wechselkurz 1 : 7 zur dKr
Heute ist der Wechselkurz zum €uro immer noch 1 : 7. :shock:

Wer profitiert davon?

Heute kostet das Benzin DM 2,60/Liter. Ich rechne immer noch oft um, und wenn ich in den Einkaufswagen gucke, kommen mir die Tränen.

Wer profitiert vom €uro? Ich nicht.

mfG

PundV
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Re: @neptun2005

Beitrag von PundV » 30 November 2009 16:11

Momme hat geschrieben:Damals als in Deutschland noch DM gab, War der Wechselkurz 1 : 7 zur dKr
Heute ist der Wechselkurz zum €uro immer noch 1 : 7. :shock:


Dies hängt damit zusammen, dass der Wert der dänischen Krone gestiegen
ist. Man kriegt ungefähr doppelt so viele schwedische Kronen für einen
Euro als dänische. Damals waren dänische Kronen die billigsten; heute sind
sie die teueresten. Dies ist ein Sonderfall. Betrachtet man alle
Wechselkurse, so ist der Euro mindestens so stark wie die Mark.

Momme hat geschrieben:Heute kostet das Benzin DM 2,60/Liter. Ich rechne immer noch oft um, und wenn ich in den Einkaufswagen gucke, kommen mir die Tränen.


Dies hat aber GAR NICHTS mit dem Euro zu tun! Benzin ist in den letzten
Jahren teuerer geworden, auch in den Ländern ohne Euro.

Merke: zeitliche Abfolge bedeutet nicht notwendigerweise Kausalität. Die
meisten Leute, die sterben, sind verheiratet. :-) Vor ein paar Tagen hat
ein Politiker in Malaysien behauptet, dass der Grund für die
Naturkatastrophen dort Pornographie ist. Beweis? FAKT IST, dass es in
letzter Zeit mehrere Naturkatastrophen gab. FAKT IST auch, dass in letzter
Zeit das Angebot an Pornographie zugenommen hat.

Vor 25 Jahren kostete eine Pizza Prosciutto um die DM 8. Heute um die
EUR 4,50 TROTZ Inflation. Ja, es gab einige Einzelfälle, wo einige
besonders "schlaue" Verkäufer einfach die Währung umgestellt hat. Blöd
war, wer darauf eingefallen ist.

Insgesamt EURO=TEURO ist eines der größten Märchen, die es je gab.

PundV
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Re: @neptun2005

Beitrag von PundV » 30 November 2009 16:28

PundV hat geschrieben:Merke: zeitliche Abfolge bedeutet nicht notwendigerweise Kausalität. Die
meisten Leute, die sterben, sind verheiratet. :-) Vor ein paar Tagen hat
ein Politiker in Malaysien behauptet, dass der Grund für die
Naturkatastrophen dort Pornographie ist. Beweis? FAKT IST, dass es in
letzter Zeit mehrere Naturkatastrophen gab. FAKT IST auch, dass in letzter
Zeit das Angebot an Pornographie zugenommen hat.


Nicht Malaysien sondern Indonesian:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/8384827.stm

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