nackt politisch motiviert

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Zett
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nackt politisch motiviert

Beitrag von Zett » 02 November 2012 21:14

wenn bei mir das Nacktjoggen so Hälfte/Hälfte aus politischer Überzeugung (der gesündeste Sport ist Grundvoraussetzung zur Gesundung der Gesellschaft) und aus persönlichen Gesundheitsgründen und nur nur zu einem winzigen Teil des Funs halber

ist,

wird´s dann billiger?

Bzw. ist´s dann irgendwie geschützt?

Z.B. ist ja politischer Protest auch schon öfters nackt gemacht worden (z.B. gegen Pelze)

PundV
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Beitrag von PundV » 22 Februar 2013 22:24

Nacktsein als politisches Instrument? Da gibt es verschiedene Ansätze. Gar nicht gut finde ich PETA: "Lieber nackt als im Pelz", weil dieser Spruch nur dann funktioniert, wenn Nacktsein als schlecht empfunden wird. Femen usw.: hier geht es mehr um Aufmerksamkeit. Klar, es wird mehr darüber berichtet, als wenn sie nicht nackt wären, aber ob dies der Sache nutzt ist unklar. Aber dies funktioniert nur, wenn Leute sich mehr für das Nacktsein als das Anliegen interessieren und wenn Nacktheit eine gewisse Provokation ist, also auch nicht mein Ding. Es gibt auch den "Nude Revolutionaries", Frauen aus islamischen Ländern, die in einem Nacktkalender erscheinen. Als Gegenstück zur Schleier schon sinnvoll, aber nur, wenn diese Frauen für Nacktheit in der Gesellschaft und nicht nur im Kalender eintreten. Aber die meisten tun dies wohl. Sie haben wenigstens begriffen, im Gegensatz zu Frau Schwarzer, dass Nacktheit etwas mit Freiheit (sprich Emanzipation) zu tun hat.

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hhnude
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Beitrag von hhnude » 23 Februar 2013 10:08

Naja, bei "politischer" Arbeit, oder schlichtweg Lobbyarbeit, ist es meist so, dass man dies tatsächlich unterstützt bekommen kann. Nur, geht es zum einen über den Weg, dass man öffentliche Mittel beantragen kann, zum anderen sollte man noch klar stellen, dass man die Gemeinnützigkeit beim Finanzamt erhält. Privatpersonen werden eigentlich nicht in ihrer politischen Arbeit unterstützt. Nichts desto trotz kann man ja sich von der Fanmasse tragen lassen, oder sich als Projekt ins Gespräch bringen, das Anleger lockt. Manchmal könnte man auch ein Ereignis mit Sponsoren und Beiträgen in die Welt rufen, das die Kassen füllt.

So kann eine Webseite etwa sammeln gehen:

https://www.paypal.com/

oder etwa so

http://www.betterplace.org/de/

bzw
http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Investment

oder

http://www.gruenesgeld24.de/

bzw

http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrofinanz

nicht zu vergessen

http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialmanagement

Wenn man denn SEIN Projekt gut eingetütet bekommt und mit etwas Rahmentrallalla in die Medien schieben kann, warum denn nicht?

Und wenn alles den Bach runter geht, gaaanz viel scheiben und bei VGWORT ein Pixel holen, um es in die eigene Webseite zustecken. Es gibt aber manchmal auch Anschubfinanzierungen in Rahmenprojekten von EU, Bund und Länder bzw auch Kommunen.

Aber, wie gesagt, das allein für sich allein durchzuziehen, wird mangels öffentlichem Interesse dann sicher eher scheitern. Banden bilden ist besser.

Wenn du meinst, dein Hobby ist irgendwie auch mehr Sport als politisch gesellschaftsrfelevante Arbeit, dann versuche es doch lieber über Sport, bzw Breitensportförderung. Da hat Deutschlands das meiste Geld sitzen. Das gleiche gilt auch für Bereich wie Jugend und Umwelt, bzw Natur. Man muss natürlich vorher gucken, wo man reingehört, oder sich breit aufstellen.

Es gibt zudem Teilförderungen, etwa bei Aktion Mensch von bis zu 50%. Sollte man sich auf nichtöffentliche Gelder stützen wollen, etwa Mitgliedsbeiträge etc, kann man in vielen Fördertöpfen noch hinein greifen, die eben nicht die 100% Förderung übernehmen.

Allerdings hat das alles einen Schattenseite: Aufwand in der Generierung und die Verwaltung ;) Ist ja ein demokratisches Land und keine Bananenrepublik. Und das bedeutete eine umfangreiche und allumfassende
, sachlich richtige und bedarfsorientierte Rechenschaftsberichtserstattung gegen über dem Steuerzahler. Von wegen schlanke Bürokratie. das Volk möchte natürlich ganz genau wissen, wo denn die Kohle hin ist.

hhnude

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Zett
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Beitrag von Zett » 24 Februar 2013 14:58

hhnude hat geschrieben:...
Danke für den Kurs in Unternehmens-/Vereinsgründung. Mit dem Gesanke gespielt habe ich auch schon. Ich weiß aber nicht, ob ich das kann.

Das eigentliche Anliegen war eigentlich die Frage, ob Nacktheit juristisch weniger angreifbar ist, wenn eine politische Motivation mit dabei ist. Gerade, weil es ja schon "andere Ansätze" politisch motivierter Nacktheit gibt, wie PundV einige aufgeführt hat.

pro Nude

Beitrag von pro Nude » 24 Februar 2013 15:41

Also ich weiss nicht...

Wenn du irgend eine politische Intention immer als Schutzschild vor dir her tragen musst, nur um nackt sein zu dürfen, ist das die gleiche Freiheit, wie dass du unter deiner Kleidung nackt sein darfst...

Solange man nicht nackt sein darf, ausschließlich und nur weil man es selbst so will, ist alles aufgesetzte auch nichts wert.

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Aria
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Beitrag von Aria » 25 Februar 2013 16:14

Alles, was aus politischen Gründen geschieht bzw. als politische Aktion gewertet werden kann, ist schwieriger zu unterbinden.

Das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit kann eingeschränkt werden, wenn man die Rechte anderer verletzt oder gegen das Sittengesetz* verstößt. Aber der Artikel 3 des GG sagt: (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Daher: Wenn man eine Partei gründet, die sich für das Nacktsein in der Öffentlichkeit einsetzt und dafür (nackte) Aktionen ankündigt und durchführt, dürfte den Behörden das Verbieten schwerfallen.

* Das ominöse Sittengesetz, auf das sich das Grundgesetz im Artikel 2 beruft, existiert gar nicht - jedenfalls nicht in schriftlicher Form, deshalb ist alles, was mit der Nacktheit und Sexualität zusammen hängt, so schwer zu beurteilen, denn die Grundlage dafür, eben das Sittengesetz, verändert sich fortwährend.

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Zett
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Beitrag von Zett » 25 Februar 2013 19:07

Aria hat geschrieben:Daher: Wenn man eine Partei gründet, die sich für das Nacktsein in der Öffentlichkeit einsetzt und dafür (nackte) Aktionen ankündigt und durchführt, dürfte den Behörden das Verbieten schwerfallen.
Mir geht es weniger um Möglichkeiten, Wünsche und Träume, sondern um die Realität, dass ich neben dem Gesundheitsaspekt die Nacktheit in der Öffentlichkeit als eine (von mehreren) Notwendigkeiten sehe, um die Menschheit von ihrem Selbstzerstörungsweg abzubringen. Dies ist ein politisches Motiv, und um ein politisches Motiv für etwas zu haben, muss man keine Partei gründen. Es darf wohl auch eine Einzelperson politisch sein.

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Zett
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Beitrag von Zett » 25 Februar 2013 19:23

pro Nude hat geschrieben:Also ich weiss nicht...

Wenn du irgend eine politische Intention immer als Schutzschild vor dir her tragen musst, nur um nackt sein zu dürfen, ist das die gleiche Freiheit, wie dass du unter deiner Kleidung nackt sein darfst...

Solange man nicht nackt sein darf, ausschließlich und nur weil man es selbst so will, ist alles aufgesetzte auch nichts wert.
Du unterstellst mir damit, dass es nicht meiner Überzeugung entspricht, sondern nur aufgesetzt ist?

Wir tragen übrigens alle ständig Schutzschilder vor uns her: Das Schutzschild des bürgerlichen Rechts, das Schutzschild der öffentlichen Ordnung. Das Schutzschild private Wohnung....

Das Schutzschild, dass man auch einen Nackten nicht unbestraft erschlagen darf. Was ist also gegen das Schutzschild der politischen Meinungsfreiheit zu sagen, wenn es dich zusätzlich bei deiner Nacktheit schützt? Es ist ja kein physisches Schutzschild, was man unter Schweißausbrüchen und schmerzendem Rücken körperlich mit sich herumschleppen muss.


"Solange man nicht nackt sein darf, ausschließlich und nur weil man es selbst so will, ist alles aufgesetzte auch nichts wert."???

Was gibt es denn, wo die Erlaubnis davon abhängig ist, ob man es selber will? Gerade beim Nacktsein ja nun nicht: Da gibt es Orte, wo es erlaubt ist - unabhängig davon, ob du das willst oder nicht.
Und da gibt es Orte, wo es untersagt wird, auch unabhängig davon, ob du das willst oder nicht.
Und da gibt es Orte, wo es auf verschiedenes ankommt, ob du Ärger bekommst oder nicht, aber nie darauf ankommt, ob du selber nackt sein willst oder nicht.

Also wäre nach Deiner Definition Nacktsein prinzipiell immer "nichts wert"!?!

Falls Du etwas ganz anderes gemeint hast, müsstest Du es vielleicht noch etwas deutlicher formulieren.

Klaus_59
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Beitrag von Klaus_59 » 25 Februar 2013 19:58

Zett hat geschrieben:die Nacktheit in der Öffentlichkeit als eine (von mehreren) Notwendigkeiten sehe, um die Menschheit von ihrem Selbstzerstörungsweg abzubringen. Dies ist ein politisches Motiv ...
Es wird dir aber niemand einfach so brieflich bescheinigen, dass du deshalb öffentlich nackt sein darfst. Die Erlaubnis dafür steht im Gesetz, was als Bescheinigung ja ausreicht. Also ist deine Frage beantwortet.
Das schützt dich aber nicht vor Bußgeldbescheiden. Du musst dann Widerspruch einlegen und gegebenenfalls dein Recht vor Gericht erstreiten, was bekanntlich nicht ganz einfach ist. "Gerichtsurteile sind wie Naturkatastrophen", soll mal ein Verfassungsrichter a.D. gesagt haben. Dennoch könnte deine Rechtfertigungslinie (mit Glück) erfolgreicht sein, meine ich. Ich habe übrigens u.a. einen ähnlichen Ansatz.

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Aria
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Beitrag von Aria » 26 Februar 2013 10:55

Zett hat geschrieben:Mir geht es weniger um Möglichkeiten, Wünsche und Träume, sondern um die Realität, dass ich neben dem Gesundheitsaspekt die Nacktheit in der Öffentlichkeit als eine (von mehreren) Notwendigkeiten sehe, um die Menschheit von ihrem Selbstzerstörungsweg abzubringen. Dies ist ein politisches Motiv, und um ein politisches Motiv für etwas zu haben, muss man keine Partei gründen. Es darf wohl auch eine Einzelperson politisch sein.
Klar darf eine Einzelperson politisch sein und für ihre Ansichten öffentlich werben, nur dürfte die Beweislage etwas schwierig sein, was auch Klaus bereits andeutete.

Aber für ein Mitglied einer Partei, die sich für Nacktheit in der Öffentlichkeit einsetzt, sieht das anders aus: Seine Nacktheit ist dann jedes Mal eine politische Aktion, die er nicht mehr als solche deklarieren muss – weil sie offensichtlich ist.

Um als Partei anerkannt zu werden, gibt es zwar Grenzen, die aber von FKK-Anhängern vermutlich leicht erreicht würden – Zitat:

„Zur Gründung einer Partei in Deutschland bedarf es zunächst einer politischen Vereinigung, beispielsweise muss diese nach § 2 PartG über eine Mindestzahl an Mitgliedern verfügen, eine Anzahl von 55 Personen wurde von einem Gericht als zu gering bewertet. Hingegen wurde die PSG mit nur 270 Mitgliedern vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl 2009 als Partei anerkannt. Die Partei muss innerhalb von sechs Jahren an mindestens einer Bundestags- oder Landtagswahl teilnehmen, um weiterhin als Partei anerkannt zu werden. Nur natürliche Personen können Mitglied einer Partei sein.“


Wie man hier sehen kann, haben manche Parteien jetzt weniger als 100 Mitglieder, bleiben aber anerkannt, weil sie zur Zeit ihrer Gründung genügend Mitglieder hatten.

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Bummler
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Beitrag von Bummler » 26 Februar 2013 13:32

Zett hat geschrieben:
dass ich ... die Nacktheit in der Öffentlichkeit als eine (von mehreren) Notwendigkeiten sehe, um die Menschheit von ihrem Selbstzerstörungsweg abzubringen.
Freilich wirst Du das irgendwie formulieren müssen, damit Dich Ordnungsamt oder Polizei auch als politischer Aktivist und nicht als Sittenstrolch erkennen. Also eine Fahne oder Aufkleber oder so was, da wirst Du nicht drumrum kommen.

Jetzt bei der Aufnahme der Personalien einfach zu behaupten, du hättest politische Motive, glaubt Dir keiner. Wetten!
Aria hat geschrieben:Wie man hier sehen kann,...
Was denn? Die Biertrinkerpartei gibt es nicht mehr? (Schwerter zu Bierhumpen).
Ist ja schade.

Tim007
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Beitrag von Tim007 » 26 Februar 2013 15:15

Und ich bin nackt ein Kunstwerk.
Michelangelos David ist nichts dagegen.

Wenn sich jemand durch mich gestört fühlt und dies per Zangengriff noch zum Ausdruck bringen zu müssen meint, quieke ich nur: Art. 5 Absatz 3 GG.

Klaus_59
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Beitrag von Klaus_59 » 26 Februar 2013 19:33

Tim007 hat geschrieben:Und ich bin nackt ein Kunstwerk.
Michelangelos David ist nichts dagegen.

Wenn sich jemand durch mich gestört fühlt und dies per Zangengriff noch zum Ausdruck bringen zu müssen meint, quieke ich nur: Art. 5 Absatz 3 GG.
Damit kommst du nicht durch. So weit ich mich entsinne, wurde schon geurteilt, dass der Mensch alleine nicht als Kunstwerk anzusehen sei.

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Zett
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Beitrag von Zett » 01 März 2013 20:46

Aria hat geschrieben:Aber für ein Mitglied einer Partei, die sich für Nacktheit in der Öffentlichkeit einsetzt, sieht das anders aus: Seine Nacktheit ist dann jedes Mal eine politische Aktion, die er nicht mehr als solche deklarieren muss – weil sie offensichtlich ist.
Da sehe ich keine Zwangsläufigkeit, dass man nicht genau so der "peinlichen Befragung" unterzogen wird, wenn man in der Öffentlichkeit nackt ist, nur weil man der Partei der Nackten angehört.
Meinst Du, dann kann man getrost auch bei Aldi einkaufen??? Als Parteimitglied grenzenlose Nacktheit?

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Beitrag von Zett » 01 März 2013 20:51

Bummler hat geschrieben:
Zett hat geschrieben:
dass ich ... die Nacktheit in der Öffentlichkeit als eine (von mehreren) Notwendigkeiten sehe, um die Menschheit von ihrem Selbstzerstörungsweg abzubringen.
Freilich wirst Du das irgendwie formulieren müssen, damit Dich Ordnungsamt oder Polizei auch als politischer Aktivist und nicht als Sittenstrolch erkennen. Also eine Fahne oder Aufkleber oder so was, da wirst Du nicht drumrum kommen.

Jetzt bei der Aufnahme der Personalien einfach zu behaupten, du hättest politische Motive, glaubt Dir keiner. Wetten!
Da gibt es ja nun zum Glück die Website eisjoggen.de. Dort stehen neben den gesundheitlichen Aspekten und den juristischen Argumenten für Nacktheit in "abgelegener Öffentlichkeit" auch die politischen Beweggründe. Da kann man recht bequem darauf verweisen und auch ein paar Sätze zu den Inhalten sagen, wenn es verlangt wird.

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