Unterschied zwischen Textilfrei und FKK

Alles rund um das Thema FKK
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Eule
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Beitrag von Eule » 29 September 2014 23:22

@ Campingliesel
Wer alles soweit reduziert, das jegliche Unterscheidung nicht mehr möglich ist, verarmt in seinem geistigen Leben. Unterschiede trennen, müssen aber nicht werten oder in Relationen setzen. Wenn du FKK mit Nudismus gleich setzt, dann gehen dem Begriff FKK wesentliche Inhalte verloren. FKK ist eben nicht nur die Liebe zur Nacktheit und beschränkt sich auch nicht auf die Nacktheit.

Bedenke bitte, wie willst du dich von den Menschen in einem "FKK-Club" abgrenzen? Die Menschen in einem "FKK-Club" sind dort auch nackt.

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Liberté 53
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FKK, Naturismus und Nudismus

Beitrag von Liberté 53 » 30 September 2014 19:39

Tim007 hat geschrieben:Trotzdem will ich kein "Nudist" sein.

Warum?

Weil ich darunter was anderes verstehe als Du.
Ebenso der SPIEGEL in seiner Ausgabe 46/1953:

"IN LONDON endete das Jahrestreffen der "Britischen Vereinigung der Sonnenbad-Anhänger" mit einer Dissonanz. Die Nacktkultur-Anhänger schieden sich aus "weltanschaulichen" Gründen in zwei Lager. Künftig stehen sich die Nudisten und die Naturisten feindlich gegenüber. Die Nuance im Tragen des Adam-Kostüms besteht darin: Die Nudisten wollen nackt sein um des Nacktseins willen, die Naturisten, weil sie den gesundheitlichen Vorteil schätzen."
Ich pflichte Tim007 bei. Auch im frankophilen Bereich gibt es die Unterscheidung zwischen Naturisten und Nudisten. Wie in dem 1. Wort schon anklingt, geht es den Naturisten (auch) um eine Beziehung mit und in der Natur, den Nudisten dagegen (nur) ums Nacktsein. Insofern empfände ich es als Beschimpfung, wenn mich jemand Nudist nennte. Das klingt in meinen Ohren schon nach Exhibitionist.

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Aria
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Re: FKK, Naturismus und Nudismus

Beitrag von Aria » 30 September 2014 20:12

Liberté 53 hat geschrieben:Insofern empfände ich es als Beschimpfung, wenn mich jemand Nudist nennte. Das klingt in meinen Ohren schon nach Exhibitionist.
Wie manche hier berichteten, gab es in den 70er Jahren im ehemaligen Jugoslawien Nudistenstrände, die auch so bezeichnet wurden. Wärst Du damals dort, wärst auch Du ein Nudist gewesen und hättest sicher nichts dagegen gehabt. Oder doch?

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Liberté 53
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eigenwillige Definitionen

Beitrag von Liberté 53 » 30 September 2014 20:21

[quote="Campingliesel"]an Eule: Wer bestimmt das denn?
Gruß Campingliesel[/quote]
Hier schließe ich mich mal Campingliesel an: Weder Eule noch der vielgescholtene Zett haben hier eine Definitionshoheit. Und wenn DFK-Mitgliedsvereine bzw. deren Mitglieder sich als Naturisten bezeichnen, dann steht es Eule nicht zu, diese zu Nudisten zu erklären, weil
a) er sie weder kennt und daher nicht beurteilen kann, ob sie nicht vielleicht doch auch in die eigenwillige selbstgestrickte Definition fallen und
b) diese Definition eben eine völlig willkürliche ist.
Ich lasse mich nicht von Eule oder sonstwem schubladisieren nach deren Vorstellungen.
Horst hat eigentlich das Wesentliche schon mehrfach geäußert.

Und dass das Wörtlein "nackt" nicht gleichbedeutend mit FKK ist, sondern in der Tat wohl eher einen negativen bzw. skandalösen Charakter hat, beweist der Umstand, dass Swinger-, Sauna- oder ähnliche Etablissements nie dieses Wort benutzen sondern häufig sich hinter dem weltanschaulichen FKK verstecken.

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Beitrag von Nackidei » 30 September 2014 20:22

Auch wenn die Frage an Liberté 53 gerichtet ist: Ich kann natürlich auch als Naturist oder FKKler einen Nudistenstrand aufsuchen. Ich bleibe dann natürlich Naturist oder FKKler, auch wenn mich, wie in Arias Beispiel, die Einheimischen in mir lediglich den Nudisten (Nackten) sehen. Sie können ja nicht wissen, was sonst noch in mir steckt. :D

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Liberté 53
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Re: FKK, Naturismus und Nudismus

Beitrag von Liberté 53 » 30 September 2014 20:24

Aria hat geschrieben:
Liberté 53 hat geschrieben:Insofern empfände ich es als Beschimpfung, wenn mich jemand Nudist nennte. Das klingt in meinen Ohren schon nach Exhibitionist.
Wie manche hier berichteten, gab es in den 70er Jahren im ehemaligen Jugoslawien Nudistenstrände, die auch so bezeichnet wurden. Wärst Du damals dort, wärst auch Du ein Nudist gewesen und hättest sicher nichts dagegen gehabt. Oder doch?
Ich kenne Deine Quellen zwar nicht, sollten sie aber zutreffen (ist mir in den 80er-Jahren, als ich dort, nicht aufgefallen), ist meine Antwort: Doch!
Andererseits ist mir egal, wie ein Strand bezeichnet wird.

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Beitrag von Luftikus » 30 September 2014 21:24

Gähn! Ist mir so egal, wie es bezeichnet wird.

Den Belgiern anscheinend auch. Am einzigen offiziellen (mir bekannten) Strand ist es so ausgeschildert:

Bild

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Aria
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Beitrag von Aria » 01 Oktober 2014 10:13

Luftikus hat geschrieben:Bild
Um möglichst viele Leute anzulocken, ist so ein Schild natürlich gut. Aber Menschen bestehen nun mal auf Differenzierung und wollen nicht in einen Korb geworfen werden – selbst wenn sie schon drin (Korb = Strand) sind. :D

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Beitrag von Fotograf1212 » 02 Oktober 2014 05:16

das ist so urtypisch deutsch: Hoffentlich findet jeder seine richtige Schublade ...

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Beitrag von Tim007 » 02 Oktober 2014 08:15

Fotograf1212 hat geschrieben:das ist so urtypisch deutsch: Hoffentlich findet jeder seine richtige Schublade ...
Unbedingt eine Bereicherung der Diskussion.

Du bist noch nicht weit rumgekommen, oder?

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Puistola
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Beitrag von Puistola » 02 Oktober 2014 09:51

Luftikus hat geschrieben:
Bild
Mir gefallen der Niederländische und der englische Ausdruck:
Da steht was Sache ist: "Nackt" bzw. Anhänger der "Nacktheit".
Ob jemand "Naturist" sei, oder gar dem "FKK fröne", müsste
wohl mittels Gesinnungsprüfung am Tor im Stacheldrahtzaun
geprüft werden, bevor Einlass in die Zone gewährleistet würde.
(Die Suche nach "Gleichgesinnten" scheint ja ein schwierige Sache)

Solche Stacheldrähte gibt es ja glücklicherweise nicht an Stränden,
sondern lediglich Thujahecken u.ä. um Vereinsgelände, aber
gerade dort scheint ja die Gesinnungsprüfung in Form von
Pfilchtgesprächen und Probemitgliedschaft frohe Urstände zu
feiern. Und dies, um das Recht zu erwerben, gelegentlich mal
ein WE ohne Höschchen hinter Sichtschutz abzufeiern.
OK, das ist Privatgelände, da haben die das Recht dazu, und ich
verstehe das sogar, weil man sich und seine Gesinnung schützen will.
Textilfrei, also Nackt, ist eben freier, als geprüftes Vereinsmitglied
zu sein, hat aber auch die unangenehmeren Seiten, wie die
Spannerei, Rechtsunsicherheit und textile Badenachbarn zur Folge.

Zwei Arten, den gleichen Wunsch zu erfüllen, die sich in keiner
Weise ausschliessen, ja die sich gar ergänzen.

Manche mögens eben gerne ohne Höschen ...

Puistola

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natourist
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Beitrag von natourist » 04 Oktober 2014 16:21

Zum Ausgangsthema!
Die Literatur zum Naturismus und zur Freikörperkultur, mit einer eigenen Bibliothek - ehemals in Kassel - unterfüttert, zeigt für den interessierten Nudisten oder Naturisten klar auf, wie die Dinge sich entwickelt haben. Nacktheit, Nudismus und Naturismus, aber auch Freikörperkultur (FKK) gewinnen damit klare Konturen, die sich im Laufe der Zeit ausgebildet haben und nahezu wissenschaftlich, näher sozio-kulturell aufbereitet sind. Der Neuansatz in diesem Forum ist damit Zeitverschwendung und wundert mich schon lange. Nackt ist nackt, Nudismus ist "gerne, möglichst immer" nackt sein, Naturismus stellt die Beziehung zum nackten Leben in der Natur dar und FKK gibt dem ganzen eine soziale Komponente mehr oder weniger hin zum Alkoholverzicht und zum Vegetarismus/Veganismus, wobei diese Verzichtskomponenten aber auch heutzeitlich wieder aufgeweicht werden.
Eigentlich reicht das schon, um Exkurse im Forum zugunsten wichtigerer Tätigkeiten und Anliegen abzukürzen.
Dem intensiv Interessierten bietet sich ein Literaturquartal im Archiv (nun in Hannover?) an.
FKK kennt man im Ausland nicht ("Culture du Cops llibre" nennt man es in einem älteren weit verbreiteten Video etwas unbeholfen). Wer international nach Begriffen zur Nacktheit recherchieren möchte tue das. Eine Doktorarbeit springt dabei bestimmt raus.

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Zett
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Beitrag von Zett » 04 Oktober 2014 18:24

Dies gebe ich doch weitgehend mit meiner Begriffserklärung wieder:

Freikörperkultur: Als Kulturkonzept eingeführt um 1980 von Dr. Produr, Dresden unter dem Begriff Nacktkultur, der mindestens bis 1933 amtlich verwendet wurde (z.B. 27.4.1932 bei der Zensur eines Werbefilmes von Adolf Koch ("Körperkulturschule 'Sonnenland'") durch die Film-Oberprüfstelle Berlin.

Die Freikörperkultur ist eine aus der allgemeinen Lebensreform entstandene Bewegung, die vor allem die Gesundung der Massen zum Ziel hatte (Nacktsport, kein Alkohol, kein Nikotin, vegetarische Ernährung). Sie wurde von den Nazis erst verboten, dann - ideologisch "gleichgeschaltet" - gefördert.



Man sollte hinterfragen, ob der Wandel der Bezeichnung von »Nacktkultur« zu »Freikörperkultur« allein deshalb geschah, weil das Wort »nackt« zu viel Anstoß nahm. Vielleicht wollte man auch mit "Freikörper" etwas anderes ausdrücken als "nackt". Es ist ja für einige - und ich neige auch dazu - der unbekleidete Mensch nicht nackt, da das Wort »nackt« ja sagt, dass etwas fehlt. Dem unbekleideten Menschen fehlt aber eigentlich nichts. Der Bekleidete hat nur oft zu viel (an).



Heute wird der Begriff sehr vielseitig verwendet: Von stark an die Wurzeln angelegter asketischer FKK, über vereinsfokussierter FKK deutscher FKK-Vereine, vielfältiger Aktivitäten mitteleuropäischer Nudisten-Vereine und Individual-Naktivitäten bis hin zur Verwendung im Rotlichtmilleau und in der Pornoindustrie (dort eher als FKK für "freie Körperkultur" bezeichnet bzw. einfach als Synonym für Sex).

Gemeinsamkeit ist jediglich, dass es etwas mit Nacktheit zu tun hat. Daher ist die Forderung sinnvoll, näher zu erklären, von welcher FKK man spricht (z.B. gesundend, nackt, kultiviert - die GENAK-FKK).



Die verschiedenen Begriffsverwendungen:



klassisches FKK: stark an die historischen Wurzeln der FKK angelehnt, Selbstdisziplinierung und bewusste Lebensweise zum Wohle der eigenen Gesundheit, der Gesellschaft und der Natur

Naturismus-FKK: Natur ist das Wichtigste (Verbundenheit mit und Freude an der Natur, oft mit viel Nacktsein im Freien)

Nudismus-FKK: Nacktheit ist das Wichtigste (z.B. für streifenfreie Bräune, psychische Befreiung, erotische Wirkung)

home-FKK: möglichst alles nackt, aber weitgehend auf zu Hause beschränkt

Alternativ-FKK: experimentierfreudiger, forschender und/oder rebellischer Nacktivismus

Freizeit-FKK: Nacktheit als befreiendes Gefühl, keine FKK-Vereinszugehörigkeit aber Einhaltung von behördlichen Anordnungen und allgemeinen Gepflogenheiten.

Vereins-FKK: Mainstream, vereinsgebunden: Nacktheit als befreiendes Gefühl aber unbedingt im Schutz von Verein, Vereinsgelände und Vereinsstatuten. Strenge Einhaltung von behördlichen Anordnungen und allgemeinen Gepflogenheiten.

FKK als Synonym zu nackt: einfach nur als Synonym zu »nackt« bzw. »unbekleidet«, ohne die Bedeutung von Regeln beim Nacktsein

Rotlicht-FKK: rein kommerziell, sprich Rotlichtmilieu

Swinger-FKK: Swinger und andere, Nacktheit vorwiegend zum Zweck der sexuellen Luststeigerung nutzend

(http://die-gesunder.jimdo.com/begriffe/)

Wobei man natürlich statt Naturismus-FKK auch nur Naturismus sagen kann. Allerdings kann man nicht einfach nur FKK sagen und ausschließlich Naturismus oder ausschließlich Nudismus usw. damit meinen.

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Aria
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Beitrag von Aria » 04 Oktober 2014 19:47

Gähn.

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Zett
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Beitrag von Zett » 05 Oktober 2014 13:47

Ergänzung:
außerdem:
Wild-FKK: schon länger gebräuchliche Bezeichnung für FKK außerhalb von Vereinsgelände und anderen ausgewiesenen FKK-Plätzen (meist Stränden)

Wald-FKK: vor allem durch Dr. rer. nat. Peter Niehenke geprägter Begriff, der im Prinzip das gleiche wie Wild-FKK beinhaltet

genak-FKK: von mir gebrauchter Begriff, der die drei entscheidenden Kriterien nennt: gesundend, nackt, kultiviert.

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