Eine interessante Frage ....

In diesem Forum werden Rechtsfragen bezüglich der FKK diskutiert. Bitte beachtet, daß dies absolut unverbindlich ist.
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nonudo
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Eine interessante Frage ....

Beitrag von nonudo » 30 September 2014 18:54

Vorbemerkung:

Lassen wir einmal außen vor, dass es Hotels gibt, bei denen Nacktbaden im Pool entweder ganz ausdrücklich erlaubt oder jedenfalls geduldet ist. Es geht mir auch nicht darum, eine Diskussion darüber anzustoßen, ob, wann und wie man einfach ohne Weiteres nackt im Hotelpool schwimmt. Ausgenommen bestimmte us-amerikanische Hotelketten und je nach den baulichen Gegebenheiten, mache ich das ohnehin meistens so.

Mich würde wirklich der rechtliche Hintergrund interessieren:

Gehen wir einmal davon aus, dass es weder in der üblichen Hotelmappe, noch in Form eines Schildes im Hallenbad oder der Sauna eines Hotels irgendeine Benutzungsordnung oder einen sonstigen Hinweis darauf gibt, dass im Pool Badebekleidung zu tragen ist.

Aus welcher gesetzlichen Vorschrift soll sich dann eigentlich das Gebot ergeben, dass Badebekleidung zu tragen ist?

§ 183a StGB "Erregung öffentlichen Ärgernisses“ kommt wohl kaum in Betracht. Da ist schon fraglich, ob ein Hotelpool „öffentlich“ ist. Außerdem will der textilfrei schwimmende Hotelgast mit Sicherheit nicht "absichtlich oder wissentlich" ein Ärgernis erregen.

Besonders merkwürdig ist das ja, wenn Leute, die vorher zusammen nackt in der Sauna saßen, im Pool plötzlich Badebekleidung anziehen müssten, um sich nicht strafbar zu machen oder gesetzeswidrig zu verhalten.

Nochmals zur Klarstellung: Ich wünsche mir keine Beiträge über das Für und Wider zum textilfreien Baden in Hotelpools, sondern eine schlüssige rechtliche Begründung, weshalb man gesetzlich verpflichtet sein sollte, Badebekleidung anzuziehen, wenn es keine Vorgaben durch eine Hausordnung oder einen schriftlichen Hinweis oder einen mündlichen Hinweis durch das Personal gibt.

Die Frage hat einen realen Hintergrund: Es hat sich nämlich über mich als Nacktbader im Hotelpool einmal (und das ist wirklich die Ausnahme!) ein selbst ernannter Moral- und Sittenwächter, männlich, über 60, bei der Rezeption beschwert. Es gab in diesem Hotel keinerlei Benutzungsordnung oder Hinweise was das Tragen von Badebekleidung anbetrifft. Die Rezeption hat zu meiner großen Verblüffung (das habe ich erst hinterher von einem anderen Gast erfahren) ein Einschreiten abgelehnt, weil man keine rechtliche Grundlage habe, mir das Nacktbaden zu verbieten.

Ich bin auf Eure Beiträge gespannt.

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Nackidei
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Re: Eine interessante Frage ....

Beitrag von Nackidei » 30 September 2014 19:48

nonudo hat geschrieben:Die Rezeption hat zu meiner großen Verblüffung (das habe ich erst hinterher von einem anderen Gast erfahren) ein Einschreiten abgelehnt, weil man keine rechtliche Grundlage habe, mir das Nacktbaden zu verbieten.
Das ist definitiv falsch. Der Hotelier übt das Hausrecht aus. Wenn der nicht will, dass in seinem Pool nackt gebadet wird, kann er das verbieten. Wenn er versäumt hat, seine Gäste entsprechend zu informieren (Badeordnung, Hinweisschild etc.) kann der Hotelgast zunächst nackig ins Wasser hüpfen. Der Hotelier kann sich dann überlegen, ob er das duldet oder nicht. Wenn nicht, bittet er ihn freundlich aber bestimmt, das Bad das nächste Mal in Badekleidung zu benutzen. Das muss der Gast dann so akzeptieren, auch wenn tags darauf noch kein Schild beim Hotelbad darauf hinweist. Auch mündliche Weisungen, Gebote oder Verbote sind vom Gast einzuhalten.
Wer jetzt nach der Gesetzesgrundlage fragt, die habe ich jetzt nicht parat. Ein jeder wird aber doch wohl vom Recht der Ausübung des Hausrechts gehört haben?

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Aria
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Beitrag von Aria » 30 September 2014 20:03

Perfekte Antwort, Nackidei. Du kannst Dich auch kurz fassen, wenn Du willst. 8)
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Oscar
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Beitrag von Oscar » 30 September 2014 21:51

Man fragt sich nur wie nonudo nach Jahren im Forum mit §183 kommen kann.

Rechtsfinder
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OWiG gilt natürlich auch im Hotel!

Beitrag von Rechtsfinder » 30 September 2014 22:16

Da ein Hotel ein öffentlicher Platz ist, gilt zweifelsohne auch hier das OWiG mit seinem unsäglichem 118er!!

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nonudo
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@ alle

Beitrag von nonudo » 30 September 2014 22:39

Also gut, ganz falscher Paragraph. Schon wieder was gelernt. Ich bin ja kein Jurist.

@ nackidei: Wo steht das mit dem Hausrecht ???? Paragraph oder Ehrenwort ????

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Nackidei
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Beitrag von Nackidei » 01 Oktober 2014 07:27

Rechtsfinder hat geschrieben:Da ein Hotel ein öffentlicher Platz ist, gilt zweifelsohne auch hier das OWiG mit seinem unsäglichem 118er!!
Nur weil der Hotelier Gäste in seinem Hotel aufnimmt, ist das noch kein öffentlicher Raum. Öffentliche Räume werden von einer Kommune bzw. Gemeinde bewirtschaftet und sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich (Rathaus, kommunales Schwimmbad etc). Ein Hotel befindet sich in aller Regel in Privatbesitz und ist somit privater Raum.
nonudo hat geschrieben: @ nackidei: Wo steht das mit dem Hausrecht ???? Paragraph oder Ehrenwort ????
Wikipedia weiß zwar nicht alles, aber vieles:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hausrecht

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Beitrag von Rechtsfinder » 01 Oktober 2014 08:09

Nackidei hat geschrieben:
Rechtsfinder hat geschrieben:Da ein Hotel ein öffentlicher Platz ist, gilt zweifelsohne auch hier das OWiG mit seinem unsäglichem 118er!!
Nur weil der Hotelier Gäste in seinem Hotel aufnimmt, ist das noch kein öffentlicher Raum. Öffentliche Räume werden von einer Kommune bzw. Gemeinde bewirtschaftet und sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich (Rathaus, kommunales Schwimmbad etc). Ein Hotel befindet sich in aller Regel in Privatbesitz und ist somit privater Raum.
nonudo hat geschrieben: @ nackidei: Wo steht das mit dem Hausrecht ???? Paragraph oder Ehrenwort ????
Wikipedia weiß zwar nicht alles, aber vieles:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hausrecht
Falsch - es geht hier nicht um den zivilrechtlichen-Begriff sondern um den strafrechtlichen Begriff. Danach ist ein Hotel ganz eindeutig ein öffentlicher Raum - da wo jeder Gast Zugang hat - also nicht das Zimmer oder die Suite. RF

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Puistola
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Privatrechtlicher Vertrag

Beitrag von Puistola » 01 Oktober 2014 09:03

nonudo hat geschrieben:Wo steht das mit dem Hausrecht ?
Paragraph oder Ehrenwort ?
Als Gast in einem Hotel oder auch Hotel-Hallenbad hast
Du einen Vertrag mit dem Betrieb. Da, rein privatrechtlich,
steht wohl etwas von Weisungsrecht des Beherbergers
oder so was.
Mal das Kleingedruckte so eines Beherbergungsvertrages
lesen, rät

Puistola

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guenni
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Beitrag von guenni » 01 Oktober 2014 09:34

etwas aufklärung zum thema z.b. hier:

http://www.kanzleiteam.de/aktuelles/art ... ibern.html

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Nackidei
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Beitrag von Nackidei » 01 Oktober 2014 09:40

Puistola hat geschrieben: Als Gast in einem Hotel oder auch Hotel-Hallenbad hast
Du einen Vertrag mit dem Betrieb. Da, rein privatrechtlich,
steht wohl etwas von Weisungsrecht des Beherbergers
oder so was.
Stimmt. Egal, in welchen Räumlichkeiten eines Hotels ich mich aufhalte; ich bin Gast in einem privaten Beherbergungsbetrieb. Da bestimmt allein der Hotelier über (Haus)Recht und Ordnung. Ausnahme: Er darf nicht gegen die "guten Sitten" oder das Diskriminierungsverbot verstoßen (Art. 14, Europäische Menschenrechtskonvention (MRK). konkret: Er darf z.B. keinen Gast mit einer Körperbehinderung abweisen mit der Begründung, dass der Anblick eines solchen Menschen den anderen Gästen nicht zugemutet werden könne (z.B. im Hotelrestaurant).
nonudo, kommt jetzt als nächste Frage von dir, ob du dich als Hotelgast nackend ans Frühstücksbufett begeben darfst, weil das Hotel ja deiner Meinung nach ein öffentlicher Raum ist?

riedfritz
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FALSCH, Rechtsfinder!

Beitrag von riedfritz » 01 Oktober 2014 11:23

Rechtsfinder hat geschrieben:Falsch - es geht hier nicht um den zivilrechtlichen-Begriff sondern um den strafrechtlichen Begriff. Danach ist ein Hotel ganz eindeutig ein öffentlicher Raum - da wo jeder Gast Zugang hat - also nicht das Zimmer oder die Suite.
Diese Aussage ist eindeutig falsch. Der Hotelbetreiber kann Dich jederzeit aus seinem Hotel schmeissen, wenn Du ihm nicht passt. Du hast z.B. kein Recht, Dich ins Hotel zu setzen und auf den nächsten Bus zu warten!


Viele Grüsse,

Fritz

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nordnackt
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Beitrag von nordnackt » 01 Oktober 2014 15:18

Auf die strafrechtlichen Aspekte etwaigen Handelns hat der für das Hotel Verantwortliche grundsätzlich keinen Einfluss. Ggfs. - bei sog. Antragsdelikten, z.B. einem Hausfriedensbruch - kann er umgekehrt eine evtl. Strafverfolgung allerdings sogar verhindern. Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Handeln bzw. für eine OWi sind hier schlechterdings nicht gegeben. Einzelmeinungen von Denunzianten - gemeint ist der weitere Gast - ändern daran nichts.

Im Übrigen ist die Annahme eines öffentlichen Raumes hier abwegig. Es gilt das Hausrecht des Betreibers. Hierfür gibt es keinen Formzwang.

Mag der Herr also künftig ein anderes Hotel wählen.

Wenn man es ganz sicher feststellen will, kann man vielleicht noch auf die Örtlichkeiten eingehen. Ganz oft sind Hotelbäder nämlich mit der Saunaanlage kombiniert, so dass man - solange kein entgegenstehender Wille bekannt gemacht worden ist - m.E. von "clothing optional" ausgehen darf.

Ich bade in Hotelbädern auch nackt, renne aber nicht übermäßig mit wehender Banane herum und habe noch nie Probleme gehabt.


:teach: :teach: :teach:

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guenni
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Beitrag von guenni » 01 Oktober 2014 17:33

vielleicht macht man sich mal die mühe, den von mir verlinkten text durchzulesen.

das hotel ist kein öffentlicher raum, es gilt also das recht des eigentümers wie in jedem haus in privateigentum. mit einer buchungsbestätigung kommt aber ein beherbungsvertrag zustande und dann müssen für einen rausschmiss sehr gewichtige gründe vorliegen.

nacktbaden im hotelpool dürfte erst einmal kein solcher grund sein (bzw. erst nach entsprechenden bitten, das sein zu lassen). wie vieles in der juristerei eine ermessenfrage.

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guenni
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Beitrag von guenni » 01 Oktober 2014 17:35

nordnackt hat geschrieben:Ich bade in Hotelbädern auch nackt, renne aber nicht übermäßig mit wehender Banane herum und habe noch nie Probleme gehabt.

:teach: :teach: :teach:
also, auch mit einer banane kannst du ohne probleme wehen, schliesslich liegen die sogar auf dem frühstücksbuffet.

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